Abwrackprämie: Problem aufgeschoben statt aufgehoben?!
Die Meldung des Verbandes der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) kam nicht gerade unerwartet. Demnach hat der deutliche Anstieg der Nachfrage nach Privatfahrzeugen zu einem Verkaufsboom bei den Neufahrzeugen geführt. Diese seien im Juni nach dem Rekordjahr 1999 auf 2,06 Millionen angestiegen, was die Verkaufszahlen des Vorjahres nochmals um deutliche 26 % übertroffen hat.
Deutsche Steuerzahler finanzieren Wachstum im Ausland
Die staatliche Umweltprämie, oder gemeinhin Abwrackprämie, hat wohl die Erwartungen aller übertroffen. Aber auch wenn diese Zahlen in einem anderen Kontext bei den Automobilherstellern wohl die Sektkorken hätten knallen lassen, so ist doch die derzeitige Stimmung getrübt. Die positiven Effekte der Abwrackprämie dauern zugegebenermaßen länger an, als im Vorfeld gedacht. Aber ein deutlicher Absatzeinbruch wird sich wohl nicht vermeiden lassen.
Die Bundesregierung hatte bei der Einführung des Konjunkturprogramms eben voll auf die Vorzieheffekte gesetzt, die sich dann aber dieses Jahr oder spätestens nächstes Jahr in fehlenden Umsätzen auswirken werden. Experten sehen die Verantwortung der Vorzieheffekte bei etwa 30 % der Neuwagen. Auch wenn diese Annahme etwas konservativ geschätzt sein sollte, so zeigt sie doch auf, welche Schwierigkeiten möglicherweise schon im zweiten Halbjahr auf die Automobilindustrie zukommen werden.
Eines ist jedoch klar: Die Automobilhersteller hatten dieses Jahr noch keine Gelegenheit, sich auf die veränderten Marktbedingungen einzustellen. Es bestand einfach kein Bedarf oder die Möglichkeit, die ohnehin aufgeblähten Kapazitäten abzubauen und damit flexibel auf die Krisensituation zu reagieren. Der so lang gewünschte und benötigte Strukturwandel wird kommen müssen, jedoch unter weitaus erschwerten Bedingungen. Und dies alles auf Kosten der Steuerzahler, die neben der deutschen Fahrzeugindustrie größtenteils Importfahrzeuge kleiner und mittlerer Klassen finanzieren.
Autor: Cosmin Filker
25. Februar 2010

